1.11 Die Schaltungstechnik wird konsolidiert

1924/25 gab es eine unglaubliche Schaltungs­ Vielfalt, die auch den Bastler oft in die Irre führte. Insgesamt 95 Schaltanordnungen beschrieb Hanns Günther (alias: Wander de Haas) in seinem ersten und zweiten Schaltungsbuch für Radioamateure. Umfangreiche Schaltbild Seiten enthielten auch die Kataloge der Handelshäuser. Geradeaus­ und Überlagerungs Empfänger machten sich den Rang streitig und das nicht nur, um sich in der Anzahl der Röhren zu überbieten.

 

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Schaltungsbeispiel aus dem Katalog der Fa. Jessel, Frankfurt von 1926/27

 

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Wenn es auch die Regel war, dass der Mehrkreis Geradeausempfänger mit vier, maximal sechs Röhren, und der Überlagerer mit sieben, maximal zehn Röhren bestückt war, so gab es doch auch Geräte beider Bauarten mit äußerst spärlicher Röhrenbestückung. Ein Extrembeispiel: Hanns Günther beschreibt die Schaltung von Superregenerativ Empfängern nach Flewelling und Armstrong mit jeweils einer Röhre.

Röhren einzusparen war auch das Ziel bei der Konstruktion von Reflexempfängern. In deren einfachster Ausführung verwendete man die Röhre zunächst für die HF­Verstärkung und nach Gleichrichtung im Kristalldetektor in der Niederfrequenzverstärkerstufe. Auch die Industrie baute Reflexgeräte mit ein, zwei oder drei Röhren (teils Doppelreflex) mit oder ohne Einbeziehung des einstellbaren Detektors. Man sparte so nicht nur Röhren, sondern auch Lizenzgebühren und reduzierte den Batterieverbrauch.

Auf das Reflexverfahren wurde bei späteren, moderneren Geräten immer wieder zurückgegriffen, der Detektor dagegen verschwand nach 1928 aus derartigen Schaltungen; der letzte seiner Art war wohl der Mende Dreiröhrenempfänger E45.

Phantasievolle Namen hatten die Bastlerschaltungen im Prohaska­ Katalog von 1927. Wo sind sie geblieben, die Solodyne und Winckelmann ­Jowidyne, die Pentatron­ und Panzer­Neutrodyne, das Atömchen und die Hyperkeimzelle, der Rheinische Fünfer und der Sechser, Wilder Jäger und der Neue Frauenlob? Wo die Zento­ Achter­, die Toroid­, die Argus ­Cage ­Coil­ und Reinartz ­Basket ­Coil­ Spulen?

Und wo die Bausatzgeräte von Radix, Koehler, Ehrenfeld, SABA, Longa und Schaleco? Die meisten wurden wieder verbastelt – gefleddert. Was übrig blieb, sind Sammler­ Raritäten.

 

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1929 ging auch, wie schon im vorausgegangenen Abschnitt erwähnt, die Ära der ersten Superheterodyn­ Generation ihrem Ende entgegen. Ein Schlusslicht bildete der Acht ­Röhren­ Schrägpultempfänger von DeTeWe, dessen letzter Vertreter noch mit einem Netzteil versehen worden war. Den Vorteil derartiger Superhets hatte man lange Zeit darin erblickt, dass sie mit einer Rahmenantenne auskamen. Ihre Richtwirkung sorgte nicht nur für verbesserte Selektivität; man konnte damit manche Störungseinflüsse mindern. Beim Kofferempfänger nutzte man weiterhin die Vorteile der Rahmenantenne.

Ballastabwurf und Schaltungskonsolidierung waren zum Anliegen der Radioindustrie geworden. Man musste bauen, was sich auch verkaufen ließ. Exklusivmodelle konnten zwar werbewirksam sein, brachten aber nichts in die Kasse. So verblieb für die Industrie aus der Vielfalt früherer Schaltungen im Kern der Ein-­ bis Dreikreis ­Geradeausempfänger mit zwei bis fünf Röhren. Sechs­ Röhren ­Empfänger blieben die größten im Angebot von 1929/30.

 

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Inserat aus: „Der Deutsche Rundfunk“ vom Dezember 1928

 

Der durchweg mit Trioden bestückte DeTeWe Neutrohet 29 war 1929/30 schon etwas veraltet. 1930 erschien er letztmals als Netzanschlussempfänger W 1.

 

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Inserat aus: Der Deutsche Rundfunk vom September 1929

 

Als andere Firmen ihre letzten Superhet-Modelle vom Markt nahmen, fingen die Stassfurter erst damit an. Dem ersten, 1929 noch batteriebetriebenen Mikrohet Reflex Super war aber auch kein Erfolg beschieden.

 

 

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