9.80 Lumophon, Nürnberg *

 

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Fortsetzung der Vorkriegsgeschichte aus dem 3. Kapitel

 

Nach dem Krieg, 1947, konnte Karl Stark wieder mit der Radioproduktion beginnen. Der Allstrom Einkreiser Gloria GW 281 wurde mit zwei RV 12 P 2000 bestückt und auch in dem für die EF 12 und EL 11 konzipierten Nachfolgemodell WD 361, dessen Beschreibung das „Empfänger Vademecum“ Band 1948 enthält, konnte man noch P2000 Ersatzaufbauten finden.

 

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1947 begann Lumophon wieder mit der Radio­Produktion, 1948 kamen die Geräte aus Nürnberg wieder in den Handel.
In größeren Stückzahlen wurden die Varianten des Einkreisers WD 361 gebaut. Anfänglich musste er noch mit aufgesockelten RV 12 P 2000 bestückt werden, später waren die AF 7 / AL 4 oder EF 12 / EL 11 verfügbar.

Im annähernd gleichen Gehäuse (zuerst aus Stahlblech, dann aus Bakelit) gab es die Varianten des WD 210 mit EF 12 / EL 11 oder EF 6 / EL 8. Hier abgebildet ist der mit EF 6 und EL 8 bestückte WD 210. Und ebenfalls in dieser Bauform fertigte Lumophon 1948 den Fünfkreis-Superhet GW 495 mit UCH 5, UF 6 und UL 2.

Eleganter geformt war das Bakelitgehäuse des besonders interessanten Nachfolgemodells von 1950 – es beherbergte den AM / FM–Empfänger WD / GW 211 U mit UCF 12 (Pendler) und UEL 11. Der „Einkreiser mit UKW-Empfang“ so etwas ist selten.

 

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1948 gab es wieder ein abgerundetes Lumophon Programm. Sechs Modelle – zwei davon auch noch in Wechsel- oder Allstrom Ausführung – waren im Grunde zuviel, 1948 aber deshalb zu rechtfertigen, weil das verfügbare Halbzeug meist nicht für einheitliche Großserien reichte. Im ersten „Handbuch des Rundfunkhandels für das Rundfunkjahr 1948/49“ sind folgende Lumophon Geräte abgebildet: Gloria GW 281, WD 361, GW 495, WD 476 / GW 476, WD 496 / GW 496 und WD 527.

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1948 brachte Lumophon auch schon diesen (damals als Luxusgerät eingestuften) WD 527 auf den Markt – mit Bandfiltereingang und einer EL 12 in der Endstufe. Blickfang ist natürlich der bedruckte Lautsprecherstoff, welcher dem Siebenkreis-Super die persönliche Note verleiht.

 

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Auch in den zwei Folgejahren präsentierte Lumophon noch zahlreiche Modelle unterschiedlicher Art, vom Einkreiser bis zum 6/7-Kreis-Super. Indes – ein Großsuper (mit Eingangsbandfilter oder Vorstufe) war nicht dabei.

 

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Beim Sammler steht er in der dritten Reihe, 1949 jedoch wurde dieser Lumophon WD 470 gut verkauft. Bestückt ist der Sechskreis-Super mit 11er-Stahlröhren, den Paralleltyp WD 570 hat man durch den Einbau eines magischen Auges (EM 11) aufgewertet.

 

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1949 und 1950 war Lumophon mit insgesamt etwa 15 Empfängermodellen auf dem Markt, von denen einige nicht in den Katalogen standen. Bezogen auf die Unternehmensgröße konnte diese Vielzahl nicht wirtschaftlich sein. Der hier abgebildete Fünfröhren­Siebenkreis­Superhet WD 570 von 1949 hatte noch die Stahlröhrenbestückung. Besonders interessant ist die Variante mit der eingebauten Uhr, welche in der „Funkschau“ Heft 13/1950 vorgestellt wurde.

Die letzten Lumophon Geräte von 1950/51 enthielten Röhren der: E11er und U11er-Serien; der E71er Serie und für die UKW Empfangsteile auch Rimlockröhren.

 

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Wieder ein Lumophon mit der persönlichen Note – der Sechskreis-Super WD 660 von 1949/50. Auf der Skala rechts stehen Sender der Bereiche Kurz, Mittel und Lang, auf der linken die mittels Banddehnung zu empfangenden Sender in den KW-Bereichen 19, 25, 30, 40, 45 und 49 Meter. Bemerkenswert ist auch die  Chassis-Unterteilung in die Bausteine A, B und C. Eine ausführliche Beschreibung dieses interessanten Gerätes enthält – mit Schaltbild – die „Funkschau“ im Heft 17/1949.

Der größte Lumophon aus dem Modelljahr 1950/51 war der lim Inserat (aus dem Katalog des Rundfunk Großhandels) abgebildete Typ WD 571 / GW 571. In der Allstromausführung kostete er 306.– DM, in der Wechselstromausführung 312.– DM. Es gab ihn auch als Typ WD 571 US 2 mit eingebautem Achtkreis-UKW-Super zum Preis von 375 DM. Die Geschäfte florierten – man glaubte, dass die aus den Vorkriegszeiten gut bekannte Firma ihren Platz unter den ehemals 28 Herstellern wieder hatte einnehmen können.

 

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„Wird zur Zeit nicht geliefert“ – diesen Vermerk findet man bei der Beschreibung des Lumophon WD 561 im VERG-Rundfunkkatalog 1950/51, in dem das Nürnberger Werk letztmals vertreten war. Es gab den selben Sechskreis-Super (laut Katalog) auch mit eingebautem UKW-Teil; dieses Modell mit dem Typenzusatz „US 1“ enthielt neben dem Stahlröhrensatz (ECH 11, EBF 11, ECL 11, EM 11 und AZ 11) noch eine Rimlockröhre EF 42.

 

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Eines der letzten Radios aus der auslaufenden Lumophon ­Produktion: der AM-/FM-Empfänger WD 661 von 1951. Der große „Magische Fächer“ lässt erkennen, dass das Gerät mit Lorenz ­Schlüsselröhren bestückt ist. Davor jedoch sitzt noch eine EF 15. Ihr folgen: ECH 71, ECH 71, EM 71 und EBL 71. In die Kataloge kam dieses auch mit einem UKW­ Bereich ausgerüstete Modell nicht mehr.

 

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Notiz aus der „Funkschau“, Heft 13/1951

 

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Inserat aus der „Funkschau“, Heft 8/1951

 

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Inserat aus der „Funkschau“, Heft 21/1953

 

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 Inserat  aus  der  „Funkschau“, Heft 21 / 1953. Gab es denn noch, oder wieder einen „RVF“ ?

 

Der Umsatz schoss in die Höhe, annähernd 2000 Beschäftigte zählte man 1950. Ein Neubau wurde erstellt, ein kaltes Büffet und Tanzmusik erfreuten die Werksangehörigen, die sich dann wie vom Blitzschlag getroffen fühlten, als sie die Kunde vom Verkauf ihres Werkes vernehmen mussten. 20 Jahre zuvor war er ein kleiner Kunde. Jetzt, 1951, trat er als Käufer auf: Max Grundig Banken ließ er an dem Geschäft nichts verdienen. Grundig, dessen Belegschaft die der Lumophon GmbH nur um ein Drittel überstieg, zahlte den Kaufpreis von 1,7 Millionen (1951 war das viel Geld) aus der Firmenkasse. Der Markenname „Lumophon“ durfte zehn Jahre lang nicht verwendet werden. Er war schon fast vergessen, als 1967 bis 68 der röhrenbestückte „Lumophon“ Stereo Konzertschrank Intermezzo, und 1968 bis 1971 transistorbestückte Lumophon Radios mit dem Modellnamen Violetta in die Kataloge kamen. Sogar Fernsehgeräte der Marke „Lumophon“ gab es jetzt plötzlich. Gefertigt wurden sie im Grundig ­Tonfunk ­Werk Karlsruhe, gefragt waren sie kaum. Das stolze Lumophon­ Fabrikgebäude an der Nürnberger Schloßstraße endete schließlich als Wohnheim.

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Unter den Lumophon Nachkriegsgeräten ist der Gloria GW 281 das Zuckerstückchen, aber wo findet man ihn? Ersatzweise muss man sich halt mit einem der nachfolgenden Einkreiser begnügen – der WD 211U könnte den Sammler besonders reizen. Das Äußere betreffend, tanzt der WD 660 von 1949 aus der Reihe und als Schlusspunkt einer (Echt­) Lumophon­ Sammlung wäre der mit Lorenz­ Röhren (einschließlich EM 71) bestückte WD 661 nicht verkehrt. Und wo bleibt der Achtkreis-Super mit der eingebauten Uhr – welcher in der „Funk-Technik“ Heft 17/1950 vorgestellt wurde? Von dem wissen wir nicht, ob er noch in Serie ging.