9.49 Grundig, Fürth - Radiowerk von Max Grundig

 

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Kaum ein Unternehmen wurde so ausschließlich durch seinen Chef geprägt, wie das Radiowerk von Max Grundig. Er war kein Unternehmersohn – nicht im Wohlstand aufgewachsen. Hunger und Entbehrungen waren die Begleiter in der Kindheit. Der frühe Tod des Vaters zwang ihn in die Rolle des „Familien­ Versorgers“ – die erste Bewährungsprobe im Leben des erst 14jährigen Lehrlings. Das Sparen lag ihm im Blut (die Mutter war Schwäbin), Organisationstalent war ihm angeboren. Aber es waren nicht nur kaufmännische Fähigkeiten, die ihn schon in früher Jugend auszeichneten, er war auch technikbegeistert. 1924 – in seinem dritten Lehrjahr – wurde der 16jährige Max vom „Radiofieber“ infiziert. Er bastelte seinen ersten Detektorapparat, den Keim für seinen beruflichen Werdegang. Die Begeisterung für technisches Neuland, gepaart mit dem Organisationstalent und der sichere Umgang mit Geld, das war sein Kapital, das er zum Start in die Selbständigkeit mitbrachte.

 

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Gerade 22 Jahre zählte Max Grundig, als er 1930 den „Radio ­Vertrieb Fürth, Grundig & Wurzer“, gründete. Die Firma gliederte sich in Verkauf und Reparaturwerkstatt. Zur Wiederherstellung defekter Transformatoren besorgte sich Grundig die erste Wickelmaschine. Neue folgten – der Jungunternehmer (seit 1934 Alleininhaber) war ins Kleintrafo-Geschäft eingestiegen. Es kam der Krieg und der RVF produzierte neben Trafos auch Rüstungsgüter. Zum Kriegsende war Max Grundig ein reicher Mann. Und er hatte dafür gesorgt, dass Material gespeichert wurde, mit dem unverzüglich neue Waren für den zivilen Bedarf gefertigt werden sollten. Zunächst waren es wieder Trafos, dann die Prüfgeräte Novatest und Tubatest.

 

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Im Bild rechts: Novatest Inserat rechts oben: aus der „Funkschau“, Heft 4/1947. Inserat linke Seite: aus „Funk-Technik“, Heft 10/1948.

 

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Bevor der berühmte „Heinzelmann-Radiobaukasten“ auf den Markt kam, lieferte Grundig (RVF) in großen Mengen die Röhrenprüfgeräte Tubatest und das Universal-
Mess- und Prüfgerät Novatest. In vielen Radioreparaturwerkstätten waren sie für die Fehlersuche unentbehrlich geworden.

 

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Schon viele Berichte erschienen in der Presse über Grundig, und sie begannen zumeist mit dem Satz: „Grundig baute das erste Nachkriegsgerät – den Heinzelmann“. Es ist kaum möglich, diese Falschmeldung auszumerzen. Fakt ist: Es gab schon 1945 betriebesbereite Radios. Nicht einmal den Baukasten hatte Max Grundig 1946 „erfunden“, aber nur seiner wurde so erfolgreich.

 

Die amerikanische Besatzungsmacht versagte dem RVF vorerst die Genehmigung zum Bau von Radioapparaten. Gerade das aber wollte Max Grundig. So kam ihm die zündende Idee: „Ein Bastel-Baukasten könnte es doch sein“. Das war kein Radio – das musste sich der Käufer selbst zusammenbauen. Und er musste sich um die Röhren kümmern, die waren nämlich nicht dabei. Die Strategie trug Früchte – der Radio­Vertrieb Bj. 1946/47 Fürth konnte sich vor Aufträgen kaum retten. Scharenweise verließen Heinzelmänner aller Art (es sollen ca. 50.000 gewesen sein) das Haus. Mit oder ohne Genehmigung – so nebenbei entstanden auch einige betriebsfertige Kleingeräte. Das machten doch Andere auch so.

 

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1946/47 erschien Grundigs legendärer Heinzelmann – zu- Bj. 1947/48 nächst als Baukasten mit der hellen Skala.

 

Die Röhren (AF 7 und AL 4 für Wechselstrom oder zwei RV 12 P 2000 für Allstrom) musste der Käufer selbst besorgen. Wie manch andere Firma durfte der „Radio-Vertrieb Fürth“ anfangs keine betriebsfertigen Empfänger herstellen. Bausätze wurden von verschiedenen Firmen angeboten – zum Begriff wurde aber nur der Heinzelmann. Das vorn stehende Heinzelmann-Nachfolgemodell (mit der schwarzen Skala) wurde, nachdem Grundig die Herstellerlizenz erhalten hatte, mit uneinheitlicher Röhrenbestückung betriebsfertig ausgeliefert.

 

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Handelte es sich bei diesem 175 x 160 x 105 mm großen Einkreiser Liliput etwa um Grundigs erstes Rundfunkgerät ? Falsch ist diese Annahme nicht – der etwa gleichzeitig erschienene Heinzelmann war schließlich nur ein Baukasten. Auf den Markt kam der Liliput nicht, wahrschein lich brauchte Max Grundig das begehrte Stück für seine „Kompensationsgeschäfte“. Im schaltungstechnischen Aufbau gleicht er dem Zaunkönig, den die Konstanzer Firma Funkstrahl schon 1945 entwickelt hatte: von den drei Röhren RV 12 P 2000 dient eine als aperiodische HF-Stufe. Insofern war er dem Allstrom-Heinzelmann (mit 2 x P 2000) überlegen. Andererseits – er hatte nur den Mittelwellenbereich. 

 

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Inserat aus der „Funkschau“, Heft 1/1949

 

Nachdem Grundig schließlich auch komplette Radios produzieren durfte, wurden (nach dem Heinzelmann) seine ersten, in Großserien gefertigten Standard ­6­ Kreis Superhets Weltklang nicht weniger erfolgreich. Dem Heinzelmann folgte der veredelte Standard-Sechskreis-Superhet Weltklang. Auf den Rückwänden der ersten Serie stand noch „RVF, Elektrotechnische Fabrik GmbH“. Die Nachfrage war wieder so groß, dass es in der Gehäusefabrikation zu Engpässen kam. Ersatzlieferanten wurden eingeschaltet, und so entstanden Gehäuse wie das des oberen Geräts. Es ist aus dünnem Sperrholz gefertigt und musste – damit das Radio nicht dröhnte – ausgeschäumt werden.

 

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Der Halbzeug ­Nachschub und auch Baumaterial zur Errichtung neuer Produktionsstätten wurde durch Kompensationsgeschäfte herbeigezaubert. „Grundig Radiowerke GmbH“ hieß jetzt die neu eingetragene Firma. Der weitere Aufstieg des cleveren Selfmade­ Mannes mit dem Gespür fürs Machbare entwickelte sich kometenhaft.

 

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1948/49 gestaltete Grundig neue Gehäuse mit dem Skalenband in der Stoff-Front. Kantig war das Gehäuse für den Einkreiser Heinzelmann 168 GW. Beim hier abgebildeten Vierkreis-Superhet Weltklang 268 GW (mit UCH 11 / UCL 11) wurden die Kanten gerundet. 1949 gab es in der gleichen Gestalt den Sechskreiser 288 GW, dann mit Rimlockröhren.

 

"Gips-Bruch" 1948 entstand sowohl ein neuer Heinzelmann (die Type 168 GW) als auch der kleine Weltklang 268 GW. 1949 kam der Heinzelmann 126 W auf den Markt, und kurz danach – im ähnlichen Gehäuse – die Type 246 W. Holz, Bakelit oder Polystyrol-Copolymerisate – das waren die Gehäuse-Werkstoffe in den Fünfzigern. Um einen Sonderfall handelt es sich beim Gehäuse dieses 126 W. Erst Beschädigungen geben das Geheimnis preis: es ist aus Gips. Der Zulieferant fertigte 1949 nur für Grundig. Nachdem neue Aufträge ausblieben – das Gerät wurde im Januar 1950 aus dem Programm genommen – ging er pleite. 

 

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Die Expansion des Unternehmens war nicht mehr zu bremsen – bereits am 3. August 1949 stellten die Grundig Radiowerke die „eintausendste“ Mitarbeiterin ein. Und über die Straßen Westdeutschlands fuhr Grundigs „Rollende Funkausstellung“.

 

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Bild aus der „Funk-Technik“, Heft 7/1950

 

Nicht nur mit Heimempfängern konnte Grundig den Markt erobern, er brachte auch schon zur Zwischensaison 1949/50 den ersten Reisesuper mit Miniaturröhren auf den Markt, deren Fertigung damals in französischen und holländischen Röhrenwerken begonnen hatte. Max Grundig startete eine Werbekampagne, welche für damalige Verhältnisse ungewöhnlich war. In ganzseitigen Inseraten suchte er eine Namen für seinen „216 B“, und versprach zehn Preise – beginnend mit dem großen Musikschrank im Wert von 988.- DM.

 

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Das erste Inserat erschien in der „Funk-Technik“, Heft 1/1950, das zweite im Heft Nr. 7 (wiedergegeben sind nur Inserat-Ausschnitte).

 

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Die Kampagne verfehlte ihre Wirkung nicht – der „Boy“ war in aller Munde und wurde 1950/51 in größten Stückzahlen verkauft. Die 1950er Kleeblatt Serie galt als „großer Wurf“. Der hervorragend aufgebaute Sechskreis-Super 165 W zum Beispiel war mit seinem Preis von 165 DM unschlagbar. Grundig machte nun auch den „alteingesessenen Firmen“ klar, dass da ein Konkurrent auf den Markt gekommen war, den man ernst nehmen musste.

 

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Als im März 1950 der Name Boy prämiert wurde, umhüllte man den vereinfachten Fünfkreiser 186 B/GW – ohne HF Vorstufe und nur noch für Mittelwellenempfang, dafür aber mit eingebautem Allstrom-Netzteil – mit einem leuchtend roten Polystyrolgehäuse (vorn). Auch 1951 gab es den Boy noch; jetzt hieß er Kleiner Boy, weil er einen Bruder namens „Großer Boy“ bekommen hatte. Zwischen den Beiden steht (noch im stabilen Bakelt-Gehäuse) der 216 B – bestückt mit den Röhren: 1 T 4 (DF 91), 1 R 5 (DK 91), 1 T 4 (DF 91), 1 S 5 (DAF 91) und 3 Q 4 (DL 92). Die erste 1 T 4 sitzt in der HF-Vorstufe dieses Fünfkreis-Superhets, welche bei den Folgemodellen weggelassen wurde.

 

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Auch Grundigs Größter war preislich unschlagbar – er kostete nämlich (mit UKW-Röhren) nur ca. 520.- Mark, während man für den Körting Dominus 51 W 695.-, und für den Telefunken T 5000 W 760.- DM bezahlen musste. Auch diese Großsuper wurden gut verkauft, weil es 1950 noch Kaufinteressenten gab, welche der neuen Firma Grundig zunächst nicht so recht trauen wollten. Schnell aber lernte der Fachhandel das neue Fabrikat zu schätzen.

Ein schön gearbeitetes Gehäuse wurde 1950 für diesen Grundig 495 W entworfen, und seine brau nen Bereichstasten wirken heute feiner als die zwei Jahre später bevorzugten hellen Klaviertasten. Mit zehn Kreisen wurde der FM-Vorstufensuper bestückt, mit acht der AM-Teil, und acht Watt hatte die Endstufe mit der EL12. Sie lieferte die Energie für zwei permanent-dynamische Tieftonsysteme und einen elektrostatischen Hochtöner. Mit diesem Modell bewiesen die Fürther, dass sie nicht nur über den Preis (DM 495.-, UKW-Röhrensatz 24.60) zum Marktführer wurden, sie konnten auch mit beachtlichen technischen Leistungen aufwarten. Ausführlich berichtete die „Funk-Technik“ im Heft 4/51 über weitere Verfeinerungen des 495 W in der 1951er Auflage.

 

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Eine stilistische Meisterleistung war das wohl nicht – die Tischkombination 399 W. 1950 brachte Grundig diesen K-M-L-Sechskreissuper mit dem funktional vorteilhaft ein gebautem 78-Touren-Plattenspieler auf den Markt. Einen UKW-Teil dazu gab’s gegen Aufpreis. 

 

Im Rundfunkkatalog 1951 konnte man acht Grundig-Modelle finden – vom Einkreiser mit VEL 11 bis zum Großsuper mit Gegentakt-Endstufe. Die Produktion wurde sprunghaft erweitert. Und trotzdem – Grundig konnte den hohen Bestelleingang nicht bewältigen – musste seine Geräte „zuteilen“.

1951 kaufte Max Grundig die Nürnberger „Lumophon“ mit den Werken Goldbach- und Schloss Straße, sowie der Gehäusefabrik in Georgensgmünd; 1956 das ehemalige Telefunken­ Werk Dachau „AWB“, 1964 „Tonfunk“ Karlsruhe und 1969 mehrheitlich die „Kaiser-Radiowerke“ Kenzingen.

 

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 War’s die Freude über den Erwerb der Nürnberger Lumophon-Werke, die Max Grundig 1951 zu dem Modellnamen Gloria 51 GW inspirierte? Den Herren Bruckner und Stark war 1929 mit ihrem Jubiläumsmodell Gloria „der große Wurf“ gelungen.

 

Grundigs preisgünstiger Einkreiser war von der Berliner Firma Thesing entwickelt worden, die dasselbe Gerät zuvor auf der Exportmesse Hannover (mit rotem Gehäuse) als Modell Ara ausgestellt hatte. 55 DM kostete dieses Einkreisgerät; nur der Jotha-Liliput war 10 DM billiger. Bestückt wurde er mit der VEL 11, welche man samt den sonstigen Eingeweiden durch die transparente Polystyrol-Rückwand betrachten kann. 

1952 kam aus Fürth die Kunde, dass nun insgesamt eine Million Empfänger die Fließbänder der Grundig-Werke verlassen hatten. Die Tagesproduktion von ca. 2.500 Geräten wurde weiter gesteigert. Max Grundig durfte sich rühmen, noch vor der Fernseh ­Epoche zum größten europäischen Hersteller der Branche aufgestiegen zu sein. 1955/56 wurde er auch noch größter Tonbandgeräte ­Hersteller der Welt.

 

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Man konnte auch bei Grundig sein Geld los werden, es gab dort nicht nur Geräte der gemäßigten Preisklasse. 1.340 DM kostete 1952 dieser FM-Vorstufensuper aus der 4000er-Reihe als Tonbandkombination 4009. Der Käufer mag bedauert haben, dass er trotz des beachtlichen Preises einen Empfänger erwarb, der nicht mit der Gegentakt-Endstufe des 5010 ausgestattet war.

 

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Ohne Tonband war‘s billiger: 590 DM betrug der Listenpreis des Spitzensupers 5010 W. Grundig lieferte 1952 zu diesem günstigen Preis den FM-Vorstufenempfänger mit zehn Kreisen im FM- und neun im AM-Teil. Die Gegentakt-Endstufe mit 2 x EL 12 versorgte drei Lautsprecher.

Bei Siemens musste man für den nicht so leistungsfähigen, und mit nur zwei Lautsprechern ausgestatteten Spitzensuper 53 desselben Baujahrs 870 DM bezahlen.

 

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Wie sein erstes Radio aus dem Baukasten und nachfolgende kleinere Empfänger nannte Grundig von 1954 wieder Heinzelmann. Dieser Heinzelmann 1 aber begnügte sich nicht mehr – wie einst sein Vorgänger von 1946 – mit einem Kreis. Sechs AM- und acht FM-Kreise bekam Grundigs Fünfröhren Super für UKW-, Mittel- und Langwellenempfang. Das Besondere an ihm ist die elektrische Synchronschaltuhr mit Leuchtzeigern, das zusätzlich einschaltbare Läutewerk und die Steckdose für den Anschluss elektrischer Geräte.

Auch in den Folgejahren setzten die Fürther ihre Spitzensuper-Serien fort, 1954 mit den Modellen 4040, 5040 und 5050 W/3D. Grundig fürchtete zu Recht, dass die SABA-Automatic-Modelle den ersten Platz einnehmen könnten. Deshalb bekamen auch die großen Grundigs eine Motorabstimmung – nicht aber den Suchlauf, wie er bei SABA verwirklicht wurde.

 

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Der Motor dieses 5040 W/3D von 1954 steuert sieben fest eingestellte Sender an: einen im LW-Bereich und je zwei in den Bereichen Mittel, Kurz und UKW (siehe auch: Funkschau, Heft 7/1955). Mit jeweils 11 AM- und FM-Kreisen ist dieses Hochleistungsgerät ausgestattet.

Von der guten alten EL 12 hatten sich die Fürther auch 1954/55 noch nicht ganz verabschiedet, nur im 5050 arbeiten zwei EL 84 im Gegentakt. „3 D“ – von Grundig propagiert – hatte sich durchgesetzt. Sämtliche größeren Modelle waren nun mit seitlich eingesetzten Lautsprechern ausgestattet. Die Gehäusegestaltung indes blieb bei Grundig konservativ – alle größeren Modelle hatten die selbe Bauform. 1955 aber experimentierten die Stylisten – zunächst mit bescheidenem Erfolg.

 

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Das Modell 3095 WF/3 D. Grundig hatte im selben Jahr auch ein modern gestaltetes "der Ferndirigent" (deshalb 3095 W F) Schrankmodell herausgebracht (siehe Kap. 8.9). Ergänzend dazu gab es den „Ferndirigent“. (Bild: DRM 55 GR 01 H)

 

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Besonders erfolgreich wurde Grundig mit seinen Reisegeräten. 1955 erschienen im Rahmen der „Boy-Serie“: der Micky-Boy, Drucktasten-Boy, UKW-Concert-Boy, Farm-Boy und Mini-Boy.

 

Der schönste, mit seinem Preis von DM 349.50 aber auch der teuerste unter den 1955er Modellen: der UKW-Concert-Boy (Bild rechts). Dieser hochwertige, 5,5 kg schwere Neunröhren Super wurde beim Transport durch eine Jalousie geschützt.

Auf dem deutschen Markt war Grundig alleiniger Hersteller der Taschenradios, welche mit Subminiaturröhren ausgestattet wurden. 1 V 6, 1 AH 4, 1 AJ 5 und 1 AG 4 sind die Typenbezeichnungen der vier Bleistiftröhren, die man in den Mini-Boys von 1954 und 1955 vorfindet. (Die 1 V 6 entspricht der DCF 60 aus der Flachsockel-Subminiator-Röhrenreihe). Heute zählen diese Kleinst-Röhrengeräte mit den Maßen 160 x 90 x 40 mm (inklusive Batterien und Mittelwellen-Ferritantenne) zu den gesuchtesten Sammlerraritäten aus dem Ende des Röhrenzeitalters. Erst 1960 gab es den nächsten MiniBoy, der wurde natürlich mit Transistoren bestückt. 

 

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Für das Modelljahr 1956/57 hatten sich die Grundig-Konstrukteure wieder etwas einfallen lassen: Das „HiFi-Wunschklangregister“, hier verwirklicht im 3028 W. Nicht nur die attraktive Anzeige des Tonfrequenzverlaufs reizte den Käufer – das war wirklich ein Fortschritt. Später nannte man so etwas „Equalizer“.

Mit 19 Fabrikationsbetrieben in aller Welt war Grundig zum Symbol des deutschen Wirtschaftswunders geworden. „Fünf Millionen Geräte“ hatte er in den zehn Jahren von 1947 bis 1957 produziert – eine Million in den ersten fünf und weitere vier in den folgenden fünf Jahren.

 

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Aus einem Bericht in der Funkschau, Heft 22/1957

 

Das Jahrzehnt von 1958 bis 1968 verlief nicht weniger stürmisch als das vorausgegangene. 1958 entstand ein Tonmöbelwerk in Senden und ein Werk für Kunststoffteile. In Nürnberg wurde die „Grundig-Bank“ eröffnet. 1959 gesellte sich zum größten Tonbandgerätewerk der Welt in Bayreuth ein neues Musikschrankwerk. 1960 beschäftigte Grundig in wirt schaftlichen Notgebieten Nordbayerns (an verschiedenen Orten) Hunderte von Arbeitskräften und in Fürth errichtete er ein neues Verwaltungsgebäude.

1961 folgte der Aufbau einer neuen Fabrik für die Elektronik-Fertigung und mit dem Erwerb von 600.000 qm Gelände konnte in Langwasser eine neue „Grundig Stadt“ entstehen.

 

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Max Grundig genoss die Anerkennung, die ihm allseits entgegengebracht wurde. Der „Heuss-Besuch“ zählte zu den Höhepunkten.

 

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Aus: Funkschau, Heft 1/1960

 

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Mit dem 216 B (Vorläufer des Boy) begann 1949/50 bei Grundig die Serie der Koffersuper. Der beliebte Modellname Boy konnte sich über viele Jahre im Grundig-Programm verwurzeln. Im Bild steht hinten der röhrenbestückte Boy Junior von 1952, den es auch im dunkelbraunen Polystyrol-Spritzgussgehäuse gab. Das mit Kunstleder bezogene Gehäuse (vorn) enthält den Musik-Transistor-Boy E 100 von 1959. Mit sechs Transistoren und zwei Germaniumdioden empfängt er Mittel- und Kurzwellen.

 

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Gleichzeitig mit dem Musik-Transistor-Boy erschien 1959 der Micro-Transistorboy mit den Maßen 115 x 75 x 32 mm. Zuhause konnte man ihn mit dem größeren Heimlautsprecher betreiben. „Da drin ist sicher ein Netzversorgungsteil“ – dachte sich der Kaufinteressent, doch dem war nicht so. Auch die Heimlautsprecher-Kombination musste sich mit Batteriebetrieb und 75 mW Ausgangsleistung begnügen.

 

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Stereo-Rundfunksendun gen gab es noch nicht, aber Stereo-Schallplatten konnte man seit 1959 in vorzüglicher HiFi-Qualität genießen. Grundig reagierte schnell und lieferte schon im selben Jahr Steuergeräte ohne eingebaute Lautsprecher. Im Bild steht das Steuergerät 6199 Stereo von 1960, ergänzt durch eine – über zeitverzögern de Spiralfedern wirkende – Raumhall-Einrichtung. Es war das größte Gerät aus der 1960er-Serie – und mit seinem Preis von 498.– DM (ohne Lautsprecher und Halleinrichtung) das teuerste Gerät. Indes – der Käufer bekam dafür ein 14-Röhren-Gerät mit automatischer Scharfabstimmung, fünf Klangtasten und Wunschklangregister. Die beiden Gegentakt-Endstufen wurden mit zwei ELL80 bestückt.

 

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Große Umsätze machte Grundig mit den Kleingeräten. Das Musikgerät 87 (links) kam 1960 auf den Markt, die Type 88 im Folgejahr. Beachtenswert ist, dass beide Geräte keine „ECH“ enthalten, Grundig verwendete in der Eingangs- / Oszillatorstufe für den AM- und FM Empfang eine ECC85, hatte also die Triode mit additiver Mischung auch im Mittelwellenbereich.

 

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1962 offerierte Grundig eine Musikanlage, die sich aus Einbauelementen zusammensetzte. Die links abgebildete Zusammenstellung besteht aus dem Rund- funkempfangsteil HF 1 (rechts), dem HiFi-Stereoverstärker NF 10 (links), der Raumhalleinrichtung mit Hallverstärker HV 1 (Mitte), sowie aus dem Hallsystem HS 1 (oben).

Aber ein Erfolg wurden die zum Festeinbau vorgesehenen Teile nicht. Anspruchsvolle Wohnherren wollten sich offen halten, ihre Empfangsanlage nach ein paar Jahren wieder gegen eine neue auszutauschen und entschieden sich eher für ein Gerät im „Braun-Stil“. 1963, nachdem die ersten Stereosendungen zu empfangen waren, war Grundig auch schon mit dem Stereomeister 10 auf den Markt. Und ein weiteres Gerät aus Fürth machte Furore: Der 1962 erschienene Ocean-Boy 202.

 

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Notiz aus der Funkschau, Heft 22/1960

 

Mit den Ocean-Boys begann eine Erfolgsserie, welche mit den Geräten der Satellit-Modelle fortgesetzt wurde. Wenn auch die Satelliten im Schatten des 1963 erschienenen Braun T-1000 standen (und dies nicht nur des „Braun Designs“ wegen), so erfreuten sie sich doch – insbesondere durch ihre vergleichsweise­ Ocean-Boy 204 moderaten Preise – großer Beliebtheit.

 

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Teil eines Inserats aus der Funkschau, Heft 21/1963

 

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Dieser Grundig-Satellit Transistor 6001 war identisch mit der Type 210 (In- und Auslandsgeräte erhielten verschiedene Typen-Nummern).

 

1969 erschien er als Nachfolger der Typen 208 und 205, die erstmals 1965 auf den Markt gekommen waren. Mit ihren 9/14 AM- und 13 FM-Kreisen, Trommel-Tuner mit 12 Wellenbereichen und spreizbaren KW-Bändern waren die „Satelliten“ Weltempfänger der Spitzenklasse. Ihre Bedeutung wurde 1990 durch die Grundig Final-Edition Typ 650 zum Ausdruck gebracht. In den Jahren zwischen 1965 bis 68 entstanden – obwohl doch Max Grundig laut Aussage aus dem Jahr 1960 „die Expansion vorläufig abgeschlossen“ hatte – weitere Werke zur Produktion von Tonmöbeln, Lautsprecherboxen und Fernsehgeräten; und das von Tonfunk gekaufte Werk in Karlsruhe wurde durch einen Neubau erweitert. Relativ bescheiden ist der Sammlerpreis für das hier abgebildete Gerät, weil es in großen Stückzahlen verkauft wurde. Sehr viel höher im Kurs – etwa Faktor 5 – steht der technisch überlegene Braun Weltempfänger T 1000.

 

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Aus den Presse Besprechungen der Funkschau, Heft 15/1965. Grundig war in Fürth allgegenwärtig – auch an den Stammtischen.

 

In den Sechzigern ging es wiederum aufwärts. Nun bewährte es sich, dass Max Grundig bereits 1954 auf dem amerikanischen Markt hatte Fuß fassen können. Hermann Brunner-Schwer schrieb in seiner SABA-Dokumentation: „Tatsächlich war es Max Grundig, der als erster deutscher Radiofabrikant seinen Arm nach Amerika ausstreckte. In Ashbach, einem cleveren jüdischen Geschäftsmann aus New York, fand er den richtigen Partner. Ashbach organisierte den Vertrieb, stieg groß in die Werbung ein und importierte bereits Mitte der Fünfziger Jahre Grundigs Rundfunk- und Tonbandgeräte in Stückzahlen, von denen andere nur träumen konnten“. Schon 1959 erreichte der Exportanteil sämtlicher Grundigwerke etwa 48 % deren Produktion, und damit ein Drittel des gesamten bundesdeutschen Exports an Rundfunk-, Fernseh-, Tonband- und Diktiergeräten sowie Musikschränken und Kofferempfängern. Natürlich war es nicht nur das Land der unbegrenzten Möglichkeiten, in das schon innerhalb der ersten drei Monate neben 1000 Musikschränken 11000 Heim- und Koffergeräte geliefert wurden – und dies noch vor der ersten Amerika-Reise des Chefs. Verkaufsniederlassungen entstanden auch in London und in Nordirland, in der Schweiz und in Italien, in Warschau, Frankreich und Wien, wo Grundig dann 1968 die Firma Minerva erwarb. Auch in anderen Ländern und Erdteilen wurden Produktionsstätten errichtet – eine der großen Fabriken schon 1965/66 in Braga / Portugal.

 

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Aus der „Funkschau“, Heft 10/1966

 

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Viele Jahre hatte Grundig in der Autoradio-Sparte nicht mitgemischt. Jetzt sollte auch dieser Sektor aufgerollt werden.  (Ein Bericht aus der „Funkschau“, Heft 4/1966)

 

Mit der Bausteinserie von 1962 hatte Grundig nicht viel Glück. Fünf Jahre später enthielt das neue, 7,5 kg schwere Einbau-Chassis mit Holzzarge – im Gegensatz zu dem Tuner HF 1 – auch den Verstärker mit zwei 15 Watt Gegentakt-Endstufen. Das ganzseitige Inserat erschien im „Funkschau“- Heft 4/1967; im Rundfunkkatalog aber sucht man das Gerät vergebens. Erst in der Ausgabe 1968/69 steht es als HiFi - Stereo - Rundfunkempfangsteil HF 500 mit dem Zusatz FET.

 

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Teil eines Berichtes aus der „Funkschau“, Heft 10/1966.

 

Trotz der Inbetriebnahme des neuen Werkes und trotz der Autoradios konnte der Umsatz von 1966 nur um 9 % gesteigert werden.

 

Der Stereo-Hi-Fi-Tuner-Verstärker HF 500 empfängt in den Bereichen: UKW,  (+ 3 Festsendertasten), Kurzwelle I + II, Mittel- und Langwelle. Zur Ergänzung - gab es das Hallgerät HSV 1.

1970 wollte der nun 62 jährige Max Grundig sein Unternehmen „zukunftssicher“ machen und gründete die „Max Grundig-Familien-Stiftung“. Natürlich schwebte er als alleiniger Vorstand über der neuen Holding und dies sogar im wörtlichen Sinne – in seinem zweistrahligen Jet mit dem geheimnisvollen Namen „Mystére“. Nur damit hätte er die vielen Termine in aller Welt wahrnehmen können – schreibt Egon Fein, der Autor des Buches „Sieben Tage im Leben des Max Grundig“. So kam er auch schneller zu seinem neuen, hochherrschaftlichen Wohnsitz an der Côte d’Azur, in dem früher Persönlichkeiten wie die Greta Garbo, Arthur Rubinstein, Onassis, Niarchos, die Begum und das monegassische Fürstenpaar verkehrten.

 

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Teil eines Berichtes aus der „Funkschau“, Heft 5/1970

 

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1971/72, als dieses Hi-Fi Stereo-Steuergerät auf den Markt kam, machte der Wettbewerb auf dem Weltmarkt auch Grundig zu schaffen. Zu viele Hi-Fi Firmen (auch Japaner) offerierten ihre Produkte und sorgten für fallende Preise – auch in dieser Geräteklasse.

 

Mit 50 Transistoren und 32 Halbleiterdioden lag Grundigs Größter – der RTV 900 HIFI 4 D-Stereo – noch nicht an der Spitze, zählte aber doch schon zu den Receivern der Oberklasse (der 1974er RTV 1040 bekam 185 Transistoren und 97 Halbleiterdioden). Mit Endstufenausgängen für zusätzliche Raumton-Lautsprecher war der RTV 900 ausgestattet. Nicht schlecht – deshalb aber „4D-Stereo“ drauf zu schreiben, das war doch etwas verwegen. Reichten Max Grundig drei Dimensionen nicht mehr? Wollte er dem Käufer eine vierte andienen ?

 

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Den erfolgreichen Sechzigern folgte ein wirtschaftlich unerfreuliches Tal – die Unterhaltungselektronik (aus deutscher Produktion) erlebte empfindliche Umsatz- und Ertragsrückgänge, welche jedoch zuerst Grundigs Konkurrenten zu spüren bekamen. Aber – schon im Juni 1971 wurde auch in verschiedenen Grundig-Werken die Produktion gedrosselt – freiwerdende Arbeitsplätze nicht mehr neu besetzt. Max Grundig berichtete auf einer Veranstaltung des Münchener Wirtschaftspresse-Clubs: „Der „Schock der Farbgeräte-Preissenkung und -Preisfreigabe sei noch nicht abgeklungen“, und meinte: mit den Umsätzen sei er ja zufrieden – aber – „er wäre froh gewesen, wenn er den halben Jahresertrag von 1969 hätte erwirtschaften können“ (Quelle. „Funkschau“, Heft 4/1971).

Etwas bescheidener war der Inhalt dieses 1971er Studio 2000, aber natürlich entsprach es ebenfalls der DIN-Norm 45500. Ergänzt wurde das Stereo-Steuergerät durch den Dual-Plattenspieler 1215 mit Shure-Magnetsystem M 75. Dazu gehören zwei passende Lautsprecher des Typs HiFi-Box 306. Fast schien es, als wären die besten Jahre des Strategen Max Grundig schon passé – das Personal-Karussell begann sich zu drehen.

 

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Hans H. Griesmeier kennen wir schon aus der Graetz-Geschichte. Alfred Liebetreu, den Vertrauten Hermann Brunner Schwers (SABA) lockte Grundig mit falschen Versprechungen nach Fürth. Schnell hat Liebetreu diesen Schritt bereut.

 

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Bericht aus der „Funkschau“, Heft 16/1971

 

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Oben: Bericht aus der „Funkschau“, Heft 22/1971, unten Bericht aus der „Funkschau“, Heft 3/1972

 

Am 7. Mai 1973 feierte Max Grundig seinen 65sten Geburtstag, und Karl Tetzner schrieb in der „Funkschau“, Heft 10/1973: „Mit ziemlicher Sicherheit darf man annehmen, dass es am 65. Geburtstag des Firmengründers Max Grundig weitaus ruhiger zugehen wird als vor fünf Jahren an seinem 60. Geburtstag, als sich in der Nürnberger Meistersingerhalle eine stattliche Zahl von Gratulanten einfand, um den Festansprachen zu lauschen. Auch scheint sich das Unternehmen nicht darauf vorzubereiten, das 25jährige Jubiläum der Gründung, das auf Mai 1973 fixiert wird, groß zu feiern“.

 

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Bericht aus der „Funkschau“, Heft 23/1972

 

„Grundig setzte 1,51 Milliarden um“ – stand im „Funkschau“- Heft 10/1973, und „Grundigs bestes Jahr“ – lesen wir im Heft 24. Das Unternehmen mit nun 28.000 Beschäftigten sah sich wieder im Aufwind. Im Geschäftsjahr 1973/74 nahm – wie die Funkschau im Heft 10/1974 berichtete – der Umsatz nochmals um 16 % zu, die Zahl der Beschäftigten stieg auf 31.100. Und innerbetrieblich gab‘s schon wieder Turbulenzen. Na ja – Widerspruch duldete der Chef halt nicht – nur er allein bestimmte die Richtung.

 

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Notiz aus der „Funkschau“, Heft 5/1975

 

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Bericht (Teil) aus der „Funkschau“, Heft 17/1975

 

Noch im Heft 6 vom März 1975 schrieb die „Funkschau“: „Die Grundig AG dürfte im Geschäftsjahr 1974/75 (endend 31.3.) erstmalig deutlich mehr als 2 Mrd. DM umsetzen“. Im September hörte man aus Fürth schon andere Töne – auch an Grundig ging die neuerliche Krise nicht spurlos vorbei. Die Prognosen für 1976 klangen nicht optimistisch.

 

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Bericht aus der „Funkschau“, Heft 18/1975

 

„Aus einem Jahresabschlußbericht 1975 von Grundig geht hervor, daß auch dieses führende Unternehmen mit Schwierigkeiten zu kämpfen hatte […] Insgesamt erwartet Grundig für dieses Jahr kaum eine Umsatzausweitung über 1975 hinaus.“ – so stand‘s in der Funkschau im Heft 2/1976. Indes – „Grundig weiter optimistisch“ – liest man im Funkschau- Heft 11/1976, und im Heft 18 wurde über steigende Umsätze berichtet. Grundig erwartete nun „eine Ausweitung des gesamten HiFi Marktes im Bundesgebiet“. Während andere Firmen schon ums Überleben kämpften, legte Grundig einen ausgeglichenen Jahresabschluss 1975/76 vor, welchen die Funkschau (Heft 24/1976) unter dem Titel „Wem die Sonne scheint“ veröffentlichte. Die miserable Preisentwicklung aber veranlasste nun auch Grundig, in Asien zu produzieren. Die „Funkschau“ schrieb in ihrem Heft 25/1976: „Wie berichtet, ist der Entschluß von Grundig, auf Taiwan eine Fabrik für Fernsehgeräte zu errichten, im Bundesgebiet auf großes Interesse gestoßen.“ (siehe: Heft 1/1977; Bericht im Heft 5/1979). „Die Expansion der Grundig-Gruppe schreitet fort“ – steht in der Funkschau im Heft 3/1977, und im Heft 6 des selben Jahres lesen wir: „Aktion Wachstum 77“ nennt Grundig eine Verkaufsförderungsaktion von hoher Brisanz.

Noch immer ging es scheinbar unaufhaltsam aufwärts. „1976 hat die Grundig AG 2400 neue Arbeitsplätze geschaffen, davon zwei Drittel im Inland“ – das berichtete die Funkschau im Heft 7/1977; und Max Grundig glaubte, Anfang der 80er-Jahre mit einem Konzernumsatz von rund vier Milliarden die Beschäftigtenzahl von 40.000 zu erreichen. Tatsächlich aber waren es in der Spitze ca. 38.500, und der Umsatz kletterte (mit nur noch ca. 20.000 Mitarbeitern) erst 1990 auf gut vier Milliarden.

 

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Bericht aus der „Funkschau“, Heft 10/1977

 

Drei Jahre lang, von 1976 bis 78 stand dieses Musikgerät RF 440 in den Katalogen. In dieser Zeit begann auch Grundig den Preisdruck aus Fernost zu spüren und baute dieses einfache Gerätchen mit geringeren Lohnkosten in Portugal. Auf 2,6 kg wurde sein Gewicht reduziert und man „hört“ die Sparmaßnahmen: Während 50 Jahre zuvor der „Trichter“ für Resonanzschwingungen verantwortlich war, ist‘s beim RF 440 das dünnwandige Thermoplast Gehäuse. Die Empfangsleistung aber ist beachtenswert. Keramikfilter sorgen für gute Trennschärfe und die drei IC’s, einer davon in der 4-Watt-Gegentaktendstufe, verfehlen ist nicht ihre Wirkung.

 

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„Hi-Fi für alle da“ – das war Grundigs Werbespruch auf den Messen in Berlin und Düsseldorf, mit dem die Fürther umsatzmäßig auch auf diesem Gebiet die Nr. 1 wurden. „Hi-Fi ist unsere zweitstärkste Artikelgruppe“ – steht in der Funkschau, Heft 21/1977. Im Heft 1/1978 wird berichtet, dass die „Umsatzausweitung bei Autosupern 50 %, und bei den stark forcierten Hi-Fi-Anlagen nicht weniger als 258 % betrug. Der Jahresabschlussbericht 1976/77 stand in der „Funkschau“ unter dem Titel: „Noch immer scheint die Sonne“.

Max Grundig aber spürte, dass dieselbe über seinem Konzern nicht ewig scheinen würde – nur der Umsatz und die Beschäftigtenzahl war steigerungsfähig – die Gewinnspanne sank kontinuierlich. Da lag die Überlegung nahe, nach einer Branche Umschau zu halten, welche bessere Renditen versprach. Und so vernahm die Fachwelt 1978 mit Erstaunen: Im Handelsregister der Stadt Fürth wurde die „Hotelverwaltung Max Grundig-Stiftung“ eingetragen. Der neue Hotelier Dr. Grundig hatte die Hotels: Schloss Fuschl am See samt Jagdhof, das Grandhotel Quisisana auf Capri, das Hotel Livistraire in Südfrankreich sowie das Hotel Forsthaus in Fürth erworben (Quelle: Funkschau Heft 8/1978). Siebzig Jahre war der Konzernherr im Mai 1978 geworden, als sich die Sonne verdüsterte. Die Funkschau schrieb im Heft 12/1978 unter dem Titel „Grundig zufrieden aber…“: man musste Erlösminderungen von 6 % hinnehmen, und bei weiteren Großprojekten soll kurz getreten werden. Das passte dem Chef überhaupt nicht. „In den kommenden zehn Jahren wollen wir uns in Übersee Märkte wieder holen, die an die Konkurrenz aus Billigpreisländern verloren gegangen sind“ – erklärte Max Grundig einem Vertreter des Pressedienstes vwd. (Quelle: „Funkschau“, Heft 23/1978). Das Ziel war hoch gesteckt, wo doch im Grundig-Jahresabschlussbericht zu lesen stand: „Die deutsche Industrie ist nämlich kaum noch in der Lage, mit den fernöstlichen Anbietern preislich zu konkurrieren“ (Quelle: „Funkschau“, Heft 24/1978).

 

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Vielleicht wollte Herr Stoffels, Vorstandsmitglied und Gesamtvertriebsleiter der Grundig-Gruppe, die Meinung des Chefs wieder mal nicht teilen (was gar nicht gut war) – jedenfalls verließ er das schlingernde Schiff, und übernahm – nachdem er sich von Grundig ausreichend erholt hatte – im Mai 1981 bei der AEG den Vertrieb der „weißen Ware“. Die Funkschau stellte ihn schließlich in ihrem Heft 8/1981 als „Telefunken-Chef“ vor. „Auch Grundig muss sich anpassen“ – war Anfang 1979 in der Fachpresse zu lesen – auch Grundig musste den Personalstand weiter reduzieren und in einzelnen Betrieben Kurzarbeit anmelden. In Sachen Vertriebsbindung aber trug die Grundig AG einen Sieg davon – ein Gerichtsurteil versagte der Metro den Vertrieb unrechtmäßig erworbener Grundig-Erzeugnisse. Und der Umsatz konnte mit ca. 38.500 Mitarbeitern noch um 7 % gesteigert werden. 

Was lange als Gerücht kursierte, kam nun ans Licht der Öffentlichkeit: Grundig tat sich mit Philips zusammen. Die Holländer konnten – zunächst mit einer Beteiligung von 24,5 % – in das Grundig Imperium einsteigen (Bericht aus der „Funkschau“, Heft 20 / 1979). „Grundig – für die 80er Jahre gerüstet“ steht im Heft 23, denn – nur so könnte man in dem „gnadenlosen Wettbewerb“, der sich auf den Weltmärktenabspielt, bestehen. Aber – schon forderten die Grenzen des Wachstums ihren Tribut: im Werk Vohenstrauß musste rund ein Drittel der Belegschaft freigesetzt werden. (Funkschau: Heft 10/1980). Auch der Grundig Vorstand konnte nun die Krise nicht mehr verbergen. Die Funkschau berichtete im Heft 16/1980, dass die Belegschaft weiter reduziert wird, und dass die Werke Neuenburg und Nordirland geschlossen werden. In zwei italienischen Grundig-Werken wurde zunächst kurzgearbeitet, danach erhielten 400 Arbeiter ihre Papiere. 1981 war es das Werk Ascha, welches stillgelegt wurde; später das Werk bei Mailand. Indes – nach unten zeigende Kurven ertrug Max Grundig nicht.

 

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Der alternde Chef, zunehmend von gesundheitlichen Problemen gepeinigt, sprach jetzt von einem Überlebenskampf. 1978 wollte er noch gegen die japanische Konkurrenz antreten, hatte aber inzwischen erkannt, dass dafür hierzulande die Voraussetzungen fehlten. Grundig würde auf dem Weltmarkt nie mehr eine große Rolle spielen können. Seine Felle wegschwimmen zu sehen, machte ihn wütend. Die Japaner waren an allem schuld – sie allein spielten die erste Geige und – sie waren dabei, sein Lebenswerk anzugreifen. Das bekam die Fachwelt auf der „CEBIT 1982“ ungeschminkt zu hören (siehe Kapitel 8.20).

Max Grundigs Gedanken kreisten jetzt nur noch um den Erhalt des Unternehmens; und die Chance dazu sah er in einer Kooperation der größten europäischen Elektronik-Firmen. Nachdem ein Zusammenschluss mit Thomson­Brandt, Frankreich, vom Kartellamt untersagt wurde, hielt Grundig bzw. die Max Grundig Stiftung weiterhin die Mehrheit des Unternehmens.

1984 jedoch dehnte Philips seine Beteiligung um weitere 7 % auf 31,5 % aus – und  übernahm die unternehmeri­sche Verantwortung. 1983 hätte Max Grundig einen solchen Schritt noch von sich gewiesen.

 

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Links steht das Modell Sono-Clock 670 SP aus den Achtzigern – der „sprechende Radiowecker“. Es war noch ein Grundig Fabrikat, aber auch Made by Grundig in Portugal“. Ein ausgefallen gestaltetes Uhrenradio war das rechts abgebildete Sono Clock 500 von 1976. Sechs UKW Sender waren auf Stationstasten programmiert, es konnte aber auch von Hand abgestimmt werden.

 

„GRUNDIG HEUTE“ das Schlusswort: „Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit“. Erleuchtete ihn nun die innere Einsicht, dass es doch noch größere und lebensfähigere gab als ihn – dass er (mit der Zeit) gehen sollte? Dann musste dieser Schritt zu einem Zeitpunkt getan werden, zu dem das Unternehmen trotz geringer Renditen noch gesund war. Und so geschah es. In den ersten fünf „Philips-Jahren“ ging es ja auch recht gut – die Umsatz- und Beschäftigtenzahlen stiegen bis 1990 an. Dann aber verkehrte sich die bisherige Aufstiegskurve ins Gegenteil. Und noch schlimmer war, dass 1991 auch die Gewinnkurve in den roten Bereich eintauchte. Diesen Abstieg hat Max Grundig sicher nicht vorausgesehen, baute er doch auf den Erfolg des mit Philips initiierten Systems „Video 2000“. Er blieb aus, der erhoffte Erfolg. Die „VHS“­ Gewaltigen – mächtiger als Grundig und Philips zusammen – konnten das technisch bessere, jedoch auch etwas teurere japanische VHS Video System strategisch besiegen.

Viel hatte Max Grundig im Leben erreicht. Dass aber seine Vision von den „Vereinigten europäischen Rundfunk- und Elektronikwerken“ zum Scheitern verurteilt war, und er die Führung seines Imperiums aus der Hand gegeben hatte, machte ihn zum gebrochenen Mann. Den Verfall seines Lebenswerkes jedoch musste der inzwischen Schwerkranke nicht mehr mit ansehen – er war 1989 verstorben. So erlebte er auch nicht mehr das 50-jährige Firmenjubiläum, welches 1995 mit gewaltigem Aufwand gefeiert wurde – dies mitten in der tiefsten Krise, als der Konzernverlust bereits dreistellige Millionenbeträge auswies. Die Firmenleitung gewann Dr. Edmund Stoiber als Festredner, und dieser sagte: „Wir müssen auf dem Weg in eine Informationsgesellschaft einen Spitzenplatz einnehmen“ – fürwahr ein frommer Wunsch.....

Es bedurfte schon eines gehörigen Quantums Verwegenheit, das marode Unternehmen so darzustellen, als ob es sich geradewegs auf der Startbahn in eine verheißungsvolle Zukunft befände – als ob es auf dem Weg sei, unter den Weltfirmen eine Spitzenposition einzunehmen.

 

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Titelseite der Broschüre „50 Jahre Grundig“.

 

Das Gerät im Bild: „Grundig Space Fidelity – die Revolution des Raumklangs“. Nun – es gibt kühne, und gute DesignEntwürfe. Die Gestaltung dieses „Sound-Systems ohne die üblichen Lautsprecherboxen“ dürfte wohl der Kategorie äußerst kühner Entwürfe zuzuordnen sein. Die Grundig-Leute waren erstaunt, dass sich die Auftragsbücher nicht füllen wollten. Wie konnte in fünf Jahren das einst gesunde Unternehmen in eine solche Krise geführt werden – das fragten sich nicht nur Außenstehende. Fehlende Innovationen seien es – meinten die Fachleute und mit Hilfe neuer Produkte gelang 1996 noch eine Trendwende. Die aber konnte das in vielen Bereichen unwirtschaftlich arbeitende Unternehmen auch nicht mehr retten. Zunehmend kam das Philips-Management ins Visier der Kritiker, und für die Betriebsangehörigen gab es nur eine Erklärung: es hat versagt. Lautstark wurde im Januar 1997 die Ablösung des glücklosen Generaldirektors gefordert, der dann das heruntergewirtschaftete Unternehmen nicht ungern verließ. Indes – nachdem sich Philips wieder von der Firma getrennt hatte, gelang auch den nachfolgenden Vorstandschefs die fast aussichtslose Sanierung nicht. Und für die verbliebenen Mitarbeiter (es waren – wie einst vor 40 Jahren – nur noch 8000) gab es kaum mehr Hoffnung.

 

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Den Verlauf des Abstiegs konnte jedermann in den Presseberichten der Tageszeitungen verfolgen – die Überschriften derselben sollen in dieser Chronik längere Abhandlungen über das Geschehen in den Jahren von 1993 bis 2005 ersetzen.

 

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1995/96 Demonstration anlässlich der „50jährigen“ Feierlichkeiten

 

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Für Philips bendete das Grundig Abenteuer nicht nur mit einem Verlust an der Glaubwürdigkeit der in Fürth handelnden Manager, es wurden auch erhebliche Zweifel an der Führungskompetenz der Konzernspitze geäußert. Und nicht zuletzt musste Philips Zahlungen in einer Höhe leisten, welche zwar die Grundfesten des Unternehmens nicht erschüttern konnten, die aber recht schmerzhaft in den Bilanzen zu Buche schlugen.

 

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Die große Hoffnung im Herbst 1997: Der renommierte Bericht aus der Stuttgarter Zeitung vom 5. Juni 1997 über den schon seit den Rosenheimer Fabrikant Anton Kathrein sollte zum rettenden Engel werden.

 

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Wie oft schon hofften die Grundig-Insolvenzverwalter auf Investoren.

 

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Die Presse begleitete das Schicksal des einstigen deutschen „Wirtschaftswunder Unternehmens“ mit großer Anteilnahme. Nach der Zerschlagung des Konzerns aber konnte man in den Wirtschaftsnachrichten nur noch kurze Notizen lesen – die Zeit der dicken Überschriften war vorbei.

 

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Eigentlich ist es doch zu bewundern, dass es noch solche Optimisten gab...

 

Ein letztes Inserat vom Oktober 2006: „Deutsche Gastarbeiter in einem türkischen Radiowerk - warum denn nicht ?“

 

Die Autoradiosparte hatte – mit dem portugisischen Werk – die amerikanische Firma Delphi übernommen, das türkisch-britische Konsortium Beko / Alba-Elektronik erwarb die Fernsehsparte und eine Beteiligungsgesellschaft den Diktiergerätebereich. Und woran waren die Käufer in erster Linie interessiert: bestimmt nicht am Produktionsstandort Deutschland – dem Markennamen „Grundig“ vor allem galt ihr Interesse. Von zuletzt 1150 Arbeitsplätzen blieben 200.

Für den Radiosammler ist Grundig heute ein abgeschlossenes Kapitel. Bei den meisten jedoch steht das Fürther Fabrikat (zu Unrecht) nicht hoch im Kurs. Die Gründe:

– es gibt keine „alten“ Grundigs
– es war Massenware
– Grundig war der Preisbrecher
– Grundig galt nie als Edelmarke

Und auch in Kreisen der alteingesessenen Rundfunkfirmen war der Ruf des mit Ehrungen überhäuften Dr. h.c. Max Grundig nicht der beste. Nicht von ungefähr war er gefürchtet – und er genoss das sogar! Man denke z.B. an seinen hinterhältigen Aktionismus mit der Absicht, von den SABA Werken Besitz zu ergreifen. Dass es nicht dazu kam, das hat ihn getroffen. Hatte er doch schon Jahre zuvor etwa 3 Km westlich des SABA-Firmengeländes das Hotel Kirneck als Arbeitererholungsheim erworben und auf dem Dach eine weithin sichtbare Leuchtreklame installieren lassen. „Um euch Sabanesen zu ärgern“ – sagten schmunzelnd die Grundig- Erholungssuchenden, wenn sie sich mit ihren Villinger Kollegen bei einem Schwarzwälder Kirsch trafen... Max Grundig kaufte das in einem feuchten Winkel gelegene Anwesen nicht nur seinen Leuten zuliebe.

 

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Abwertende Einschätzungen mögen also durchaus ihre Berechtigung haben. Sie schmälern aber nicht die unternehmerischen Leistungen des eigenwilligen Konsuls. Selbst seine Konkurrenten schwankten zwischen Verachtung und neidvoller Bewunderung. Die wurde ihm auch noch zuteil, als die Auswirkungen seiner Nachlassregelungen bekannt wurden. Auch hier agierte er wieder clever. Seine persönlichen Erben mussten nicht am Hungertuch nagen – Grundigs Witwe Chantal zählt zu den reichsten Frauen Deutschlands. Mag auch der Name „Grundig“ mit subjektiven Gefühlen verbunden sein, Geräte dieser Marke gehören ebenso zur Sammlung, wie etwa solche von Körting, welche schließlich schon ab 1955 auch als „Neckermann-Niedrigpreiserzeugnisse“ verkauft wurden. Und es darf nicht vergessen werden, dass im Zeichen des Kleeblatts hochwertige Empfänger auf den Markt kamen, die sich in aller Welt, nicht zuletzt in Amerika größter Beliebtheit erfreuten.

Auch unter den „Grundigs“ findet man begehrte Sammlerstücke: nicht nur den Heinzelmann oder einen Weltklang. Weitaus interessanter sind die Großen aus Anfang bis Mitte der Fünfziger: 495 W/UKW, 5005 W, 5010 W, 5050 W/3D mit Motor-Senderwahl und als letztes Glanzstück dieser Reihe das 1956er Konzertgerät 5080 mit HiFi-Wunschklangregister und Fern-Dirigent. Zur Abrundung wäre noch ein besonders wertvoller Musikschrank nicht fehl am Platze, sofern derselbe vorhanden ist.

 

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Aus einem Bericht der Illustrierten „BUNTE“

 

Auch in den Staaten gibt es Grundig-Fans. Die vielen importierten Tisch- und Schrank-Modelle waren in Amerika so beliebt, dass in den Neunzigern unter dem Titel „The sounds of the Nineties from the radio of the Fifties“ wieder „Grundig Classic Fifties Radios“ angeboten wurden. Über einen Grundig-Boy von 1950/51 (1949/50 hieß das stabiler ausgeführte und mit HF-Vorstufe versehene Freizeit-Radio noch 216 B) freut sich nicht nur der „Henkelware-Sammler“. Spezialisten suchen noch mehr den seltenen Miniboy mit Subminiaturröhren, der 1954 und 55 im Lieferprogramm war. Vergessen sollte man auch nicht den Yacht-Boy und einen Satellit­ Weltempfänger. Als würdiges Schlusslicht vielleicht das Modell „Final­ Edition“ Typ 650 (mit Sennheiser-Kopfhörer), von dem 1990 nur 1000 einzeln nummerierte Exemplare gefertigt wurden, die – teils vorbestellt – sofort vergriffen waren. Ob man sich auch mit dem „Heinzelmann“ ­Nachbau anfreunden sollte, welcher 1995, anlässlich des 50jährigen Grundig-Radio-Jubiläums an glorreiche Zeiten erinnern sollte? Eine Laudatio für diesen Anlass (und auf das Gerät) wäre wohl unangebracht, eher vielleicht ein paar Wehmuts­-Tränen.

 

Der „Heinzelmann“ von 1946 und das „Jubiläumsmodell“ 1995 (unten).

 

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Schön wär’s ja gewesen, wenn Grundig mit diesem „Pseudo-Heinzelmann“, dem „Heinzelmann Spezial Edition“, wie 50 Jahre zuvor wieder am Beginn eines kometenhaften Aufstiegs gestanden hätte. Leider kam es wie befürchtet – das Firmenschicksal passte sich der farbschwachen Skala dieses Fernost-Erzeugnisses an. Das Eis, auf dem sich Grundigs verbliebene Fertigungsbetriebe bewegten, wurde so dünn wie das „echte“ Eichenholzfurnier des Gehäuses. Äußerlich erkennt man ihn ja – den guten alten Heinzelmann. „Doch wie’s da drinnen aussieht...“

 

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Immerhin – mit den ersten Bausatzgeräten, die im Oktober 1946 den RVF verließen, hat er schließlich noch etwas gemeinsam: damals wurden keine Röhren mitgeliefert, und auch im Jubiläumsmodell sucht man sie vergebens. Stolze 369 DM kostete einer der „5.000 Limitierten“ – im März 1996 wurde die Nr. 6.806! gesichtet... Der unschlüssige Sammler wundert sich auch über das Erscheinungsdatum 1995. Wäre nicht der Oktober 1996 passender gewesen? Wurde etwa in Erwägung gezogen, dass bis dorthin im Hause Grundig die musikalische Unterhaltung bzw. der Begriff „Radio“ vollends hätte in Vergessenheit geraten sein können ?

Wie sagte doch Ephraim Kishon in seiner Geburtstagslaudatio vom Juni 1995 so feinsinnig: „Wie wir alle wissen, erzeugt die Grundig AG ausschließlich Unterhaltungs-Elektronik, wie zum Beispiel Alarmanlagen...“

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