9.19 Blaupunkt, Darmstadt und Hildesheim *

Fortsetzung der Vorkriegsgeschichte aus dem 3. Kapitel

 

Blaupunkt Radiotechnik Radiogeschichte Radiochronik

Blaupunkt Radiotechnik Radiogeschichte Radiochronik

Blaupunkt Radiotechnik Radiogeschichte Radiochronik

Blaupunkt Radiotechnik Radiogeschichte Radiochronik

Blaupunkt Radiotechnik Radiogeschichte Radiochronik

Blaupunkt Radiotechnik Radiogeschichte Radiochronik

Blaupunkt Radiotechnik Radiogeschichte Radiochronik

Blaupunkt Radiotechnik Radiogeschichte Radiochronik

Blaupunkt Radiotechnik Radiogeschichte Radiochronik

Blaupunkt Radiotechnik Radiogeschichte Radiochronik

Blaupunkt Radiotechnik Radiogeschichte Radiochronik

Blaupunkt Radiotechnik Radiogeschichte Radiochronik

 

Blaupunkt war eine der ersten Firmen, die sich unmittelbar nach dem Krieg wieder mit der Herstellung von Rundfunkempfängern befasste und – weil in mehreren Besatzungszonen produziert wurde (in Ostberlin unter „Ideal-Werke“) – mit einer großen Modellzahl auf den Markt kam. Es ist kaum zu glauben, dass aus den ehemals angesehenen Fabriken 1945 und 1946 derart primitive Detektorap- parate und Röhren- Empfänger kommen konnten. In der 1945 mit Trümmern übersäten „Reichshaupt- stadt“ fertigten Mitarbeiter der weltbekannten Blau- punkt-Werke diese armseligen und irgendwie doch kreativ gestalteten Detektorapparate. Den rechts abgebildeten verkaufte der Mannheimer Händler Radio Dahms. Heute wer- den solche Nachkriegs-Erstprodukte vom Sammler hoch bewertet.Ein weiteres „Notzeit-Ra- dio“, von den Blaupunkt- Mitarbeitern weniger „pro- duziert“ als vielmehr „zu- sammengebastelt“:Rechts das Einkreisgerät LV 16 mit seinen zwei St. RV 12 P 2000, welcher im „Empfänger-Vademecum“ 1947beschrieben ist Den Blaupunkt-Detektorappa- (gefertigt wurde er früher).rat (oben), ergänzt durch einen Ganz so schlimm wie hier NF-Verstärker-Zusatz mit der im Bild sah er nicht aus, als er die „Fabrik“ verlassen hatte – der Besitzer wollte dieRV 12 P 2000 findet der Leser Empfangsleistung verbessern, indem er die Antenne über einen Trimmer kapazitiv an im Kapitel 7 Abschnitt 7. den Schwingkreis koppelte – aber schon zuvor war der Aufbau chaotisch. Das Skalenrad mit Kulisse für die WellenumschaltungEin interessantes Blaupunkt-Gerätchen ist dieser Einkreiser 2 GW 146 E, welcher ebenfalls mit zwei RV 12 P 2000 (+ Gleichrichter) bestückt ist. Er hat eine induktive Abstimmung und eine raffinierte Wellenumschaltung. Auch sein Schaltbild findet man (wie die anderer Blaupunkt-Radios aus dieser Zeit) im „Empfänger-Vademecum“ 1947. Den primitivsten Empfängern folgten weitere Notzeit-Radios mit abenteuerlichen Röhrenbestückun- gen. In der „Funk-Technik“ Nr. 4/1947 konnte man lesen: „Blaupunkt liefert zur Zeit einen 5-Röhren -Wechselstrom-Super Type 5 W 646 im Bakelitgehäuse und Kurz-, Mittel- und Langwelle zum Brutto- preis von 498.- RM. Röhrenbestückung: ECH 4, CBF 11 [das sollte sicher heißen: EBF 11], RV 12 P 2000, BL 2, AZ 1, ohne magisches Auge. Die Lieferung kann in ca. 5 Monaten auf zur Zeit gültigen Bezugsausweis der britischen Zone erfolgen“. Kurz darauf wurde die Röhrenbestückung dieses Typs etwas normalisiert, aber eine „P 2000“ war immer noch dabei.1Die dynamische Chronik, 9. Kapitel 9.19 Blaupunkt Dreizehn (!) Blaupunkt-Typen sind im „Empfänger-Vademecum“ von 1947 zu finden, beginnend mitdem LV 15, einem Detektorempfänger mit P 2000-Verstärkerstufe; aber auch ein mit Stahlröhrenbestückter Sechskreis-Super ist darunter. Und der folgende Band 1948 enthält nochmals zwölf (!)Typen – den Schluss bildet der Standardsuper. Das „Empfänger-Vademecum“ 1947 enthält neben zahlrei- chen anderen die Blaupunkt-Superhets 4 GW 646, mit per- manent- oder elektrodynamischen Lautsprechern. Es gab sie auch in den Ausführungen „K“, „K 1“, „R“ und „R 1“. Das Gerät im Bild ist die Type 4 GW 646 K – mit dem Kurz- wellenbereich. Bestückt ist dieser kleine Sechskreis-All- stromsuper mit dem bewährten Vorkriegs-Standard-Röhren -satz: UCH 11, UBF 11, UCL 11 und UY 11.Bei dem nur 30 x 18 x 19 cm großen Gerätchen handelt es sich um eines der beliebten „Puppenstuben-Modelle“ mit induktiver Abstimmung. Die Wellenbereichsumschaltung dieses – im Gegensatz zu anderen Blaupunkt-Notradios aus dieser Zeit – respektablen Gerätes erforderte einen beachtlichen mechanischen Aufwand. Nicht nur in Berlin fertigte Blaupunkt die ersten Nachkriegsgeräte, auch in Hildesheim und in derBayern-Metropole. Die kleine Geschichte zu den dort entstandenen Radios soll dem Leser nicht vor-enthalten werden: „In München steht ein Hofbräuhaus“, und nicht nur dies – in München stehen auch zahlreiche Braue-reigebäude, zum Beispiel die der Paulaner-, Salvator- und Thomasbräu in der Kapuzinerstraße. AmKriegsende hatte dort ein Blaupunkt-Zweigbetrieb Unterschlupf gefunden. Monatlich 300 Sechskreis-Allstrom-Superhets verließen die Bier-geschwängerte Atmosphäre derzweckentfremdeten Räumlichkeiten. Das in Bayern heiß umstrittene „Bierbrauverbot“ war schuld ander Entweihung des Gerstensaft-Tempels. Indes – der Durst Münchener Kehlen nach Bier war noch größer als der des Ohres nach Musik – das sahen schließlich auch die Amerikaner ein und gaben dem bayerischen Volksnahrungsmittel wieder frei Fahrt.Blaupunkt musste ausziehen und fertigte den 5 GW 646 – später als 648 (noch immer im gleichen, 320 x 215 x 165 mm großen Holzge- häuse) – in Luhe-Wildenau in der Oberpfalz. Der bekam dann 1948 die U-Glasröhren aus Ulm. DieWährungsre- form bewirkte Der Sechskreis-Superhet München 5 GW 646. Wunder – über 151946 konnte das Telefun-ken-Röhrenwerk Ulmnoch nicht den U-Röhren-satz liefern, welcher im 5GW 646 gebraucht wurde.Wie bei Telefunken, WerkDachau, wo 1945/46 derB 644 GWK gebaut wurde(siehe AWB und Telefun-ken), mussten auch beiBlaupunkt in den Mün-chen GW 646 drei Stahl-röhren-Ersatzaufbauteneingesetzt werden, wel- Im Rückseitenfoto und im Bildche mit zwei P 2001 undaus der „Funk-Technik“ 18/1947fünf P 2000 bestückt wur-den .sind die etwas krumm geratenen Kombinationen zu erkennen.2Die dynamische Chronik, 9. Kapitel 9.19 Blaupunkt Blaupunkt-Typen konnte man 1948/49 ohne Bezugschein kaufen. Die Palette reichte vom DKE-Nachfolger bis zu Luxusgeräten wie dem Großsuper 8 W 748 oder der sündhaft teuren Blaupunkt-Neun-Röhren-Raumton-Musiktruhe (1949 DM 2.190.-). Den dazwischen liegenden Modellen waranzusehen, dass sie noch aus unterschiedlichen Fertigungsstätten stammten – in ihnen konnte mannoch die „P 2000“ finden, oder die Stiftröhren REN 904, RES 164 und RGN 354. Auch einen All-strom-Sparsuper gab‘s, bestückt mit VCH 11 und VEL 11 – ein Typen-Durcheinander war das, bisschließlich die Fertigung zunächst in Darmstadt, dann in Hildesheim konzentriert wurde. Blaupunkt baute DKE-Nachfolger in verschiedenen Ausführungen. Schon die Type 2 GW 145 konn- te noch mit der VCL 11 bestückt werden (wobei es sich vermutlich um Restbestände handelte). Hier abgebildet ist der letzte dieser Art mit der VCL 11, der 2 GW 149. Zehn (schlimme) Jahre waren seit dem Erscheinendes „Deutschen Kleinempfängers“ verstrichen – in diesem 1949er Modell konnte man die ungelieb- te Sparröhre VCL 11 letztmals pfeifen hören.Sie sehen schon recht gut aus – die Blaupunkt-Modelle von 1948 und 1949. 5 GW 2648 heißt der durch ein magi- sches Auge aufgewertete U-Röhren- Superhet. Im Folgejahr gab es das flache – ebenfalls mit U-Röhren, aber ohne „Auge“ – ausgestattete Modell US 4 H in Holz, oder US 4 P in Bakelit (Plastik).Wie zehn Jahre zuvor wurden auch diese Geräte wieder mit dem damali- gen Standard-Röhrensatz UCH 11, UBF 11, UCL 11 und UY 11 bestückt. Auch Valvo konnte wieder Röhren fertigen, und brachte als Nach- folger der „roten Röhren“ (vor allem für den „Einheits-Super“) eine E- und U- Serie mit Topfsockeln auf den Markt. Mit drei solchen Röhren: UCH 5, UF 6 und UL 2 wurde 1948/49 der links stehende kleine Blaupunkt-Vierkreis-Superhet 3 GW 448 P ( P = Plastik) bestückt. Daneben gab es 1949 noch die Ausführung 3 GW 448 T mit den Telefunken-Röhren UCH 11 und UCL 11 (da arbeitete das Trio- densystem der UCL 11 in Gitter-Audion-Schaltung). Im April 1950 berichtete die „Funk-Technik“: „Die Aktivität der Blaupunkt-Werke auf dem Gebiet des UKW-Rundfunks ist verblüffend.In den neu aufgebauten Fertigungswerkstätten in Darm-stadt gehen nicht weniger als fünf kombinierte AM/FM-Empfänger und ein UKW-Super-vorsatz der Vollendungentgegen...“ Auch der Kofferempfänger Nixe kam schon1950 auf den Markt. Die Blaupunkt- Nixe, ein Fünfröhrensuper für Batterie- und Allstrom- betrieb wurde in der „Funk-Technik“ bereits im Mai 1950 vorgestellt. 3Die dynamische Chronik, 9. Kapitel 9.19 Blaupunkt 1949/50 warBlau-punkt wie-der mit sehrschön gestalteten Radios auf dem Markt.Das betrifft insbesondere die nachstehendabgebildeten Modelle. Über diesen 1950 erschienenen Super F 266 U (NU 240 U) schrieb die „Funkschau“ im Heft 7/1951: „Zu den interessantesten Geräten in der Reihe der preiswerten AM-FM-Superhets gehört zweifellos der Blaupunkt Allstrom-Super F 266 U, bietet er doch ein aufschlußreiches Beispiel für die wirtschaftliche Lösung des UKW-Empfanges im 6-Kreis-AM-Super“. In der Tat – bei dem Röhrensatz UCH 11, UF 11, UBF 11 und UCL 11 ist ein besonderer Aufwand für UKW nicht zu erkennen. Das Gerät reizt aber den Sammler durch ein anderes Detail: die induk- tive Abstimmung in allen Wellenbereichen.„Die sich dabei ergebende etwas „harte“ Stations- abstimmung nimmt der Kunde gern in Kauf, da die meisten Interessenten dieser Geräteklasse hohe Preiswürdigkeit bevorzugen...“ – meinte die „Funk-Technik“.Auch das größere Gerät gab es 1950 in diesem schön gestalteten Holzgehäuse. 1950 wurde es (in Wechsel- strom- und Allstrom-Ausführung) als L 425 bzw. L 435 U angeboten. Dieser, ebenfalls noch mit Stahlröhren be- stückte Empfänger hat acht AM-Kreise und die kapazitive Abstimmung.Sein Preis indes war nicht eben günstig – mit 425.- DM lag er fast auf der Höhe der Luxusklasse. Den ähnlichen Achtkreis-Super M 289 W bekam man für 289.- DM. Das Edelholzgehäuse allein kann‘s nicht gewesen sein – der mit Ratiodetektorschaltung ausgestattete UKW- Be- reich des L 425 sollte wohl den hohen Preis rechtfertigen.Mit den rechts abgebildeten Modellen knüpf- ten die Blaupunkt-Werke 1950 nicht nur an die Vorkriegs-Bakelit-Radios an, sie verfeiner- ten die Formen und sicherten sich damit ihren Käuferkreis. Der vorn stehende Allstrom-Achtkreiser, Bau- jahr 1950 hat neben der Typen-Nr. F 229 U noch eine weitere: NU 630 U. Auch das dahinter stehende Wechselstrom- gerät aus dem gleichen Jahr bekam zwei Ty- penbezeichnungen: M 289 W und MU 670 W. Dieser etwas größere Achtkreiser wurde mit drei Kurzwellenbereichen und einem magi- schen Auge ausgestattet.4Die dynamische Chronik, 9. Kapitel 9.19 Blaupunkt 1951 findet man in diesem Blaupunkt-Superhet M 51 W noch einen gemischten Röhrensatz: neben den Rimlockröhren EF 80 und ECH 42 die (Stahl-) Röhren EAA 11, EBF 15, EF 15, EL 11, EM 11, und AZ 11. Natürlich wurde dieser fast 500.- Mark teure M 51 W mit einem UKW-Super ausgestattet. Dieser Gehäuseent- wurf hob sich noch wohltuend von der 1952er Einheitsge- staltung ab und er ist insbesondere deshalb gefällig, weil es sich hier nicht um eines der großen,sondern um ein 40 x 27 x 18 cm kleines Modell handelt.Als Barcarole B 520/21 WH kam der Sechs-/Neunkreis-Super 1952 in die Kataloge und die hier abgebildete Barcarole B 525 WH findet man unter den Rundfunkempfängern der Nachsaison in der Ausgabe 1953. Röhren der alten Art stecken in diesen Modellen nicht mehr. Rimlock- und Novalröhren (hier die: EF 41, ECH 81, EBF 80 und EL 41) hatten den Markt vollends erobert, und auch eine „Germanium-Diode“ sitzt schon in den Beiden. Notiz aus der „Funkschau“, Heft 12/1953. Die Fernsehgerätefertigung war noch unbedeutend, Blaupunkt-Autoradios wurden immer mehr gefragt, 1953 aber wurden die größten Umsätze noch mit den Heimempfängern erzielt.Kraftfahrzeug-Empfänger waren schon in London H 4053 – ein Vorstufensuper der Luxus- klasse von 1953. Leider im Einheits-Gehäusestil der Fünfziger, der auch durch die verfeinerte Blaupunkt- Gestaltung nicht viel besser wurde. Die Besonderheit dieses 9/11-Kreis-Superhets war ein „Omnimat-Drucktastenwähler“, eine zweite Tas- tenreihe hinter den Elfenbein-Bereichstasten. Der Sammler sagt: „das Autoradio im Heimempfänger“.der Vorkriegszeit ein besonderes Anliegen der Bosch-Tochter. Bereits auf der Funkausstellung 1932konnten die Automobilisten –wiein derBlaupunkt-Vorkriegs-geschichte Kapitel3.11, sowie im Kapitel 13.3zu lesen ist – den Fünfröhren-Autosuper Type AS 5 bestau-nen. Und schon im Handbuch desRundfunkhandels für dasRundfunk-Jahr 1948/49 wur-de der erste Nachkriegs-Auto-super 5 A 649 angeboten; be-stückt mit EF 11, ECH 11,EBF 11, ECL 11 und EZ 11. Ab 1950 zählte Blaupunktunangefochten zu den Spit-zenproduzenten dieser Spe- 5Die dynamische Chronik, 9. Kapitel 9.19 Blaupunkt zies – spätestens zu dem Zeitpunkt, als das Unternehmen 1952 seinen Firmensitz von Berlin nachHildesheim verlegte. Weil Autoradios imHause Blaupunktschon immer einenSchwerpunktbil-deten, sollen auchsolche Geräte ausden Fünfzigern ge-zeigt werden.Zu den Spitzen- erzeugnissen von 1954 zählte der Typ Köln – ein Vorstufensuper mit 8 AM- und 12 FM-Kreisen. Die Senderein- stellung (UKW und Mittelwelle) erfolgt durch den „Selec-tomat- Stationsfinder“. Zum Einbau in die verschiedenen Autos gab es die passenden Blenden, z.B. für den Borgward 1500, den Mercedes 180 und 220 oder für den Opel Kapitän 54. Das 1960er Modell links heißt Frankfurt­Transistor, es sind aber erst drei Transistoren und noch sechs Röhren drin.Rechts die Omnibus-Anlage München IV TR von 1963. Dieses eben-Das Blaupunkt-Autosuperprogramm von 1955:falls mit „Omnimat-Drucktastenwähler“ ausgestattete Gerät enthält eineBremen, Hamburg, Stuttgart, Frankfurt, Köln,12-Watt-Transistorendstufe. Heutige Kleinwagenbesitzer mögen diese Kurzwellen-Vorsatzgerät, Kleinbus-Anlage Ulm,Endleistung belächeln – in den Sechzigern des vergangenen Jahrhun-Bus-Anlage München I und II.derts reichte sie für einen mit sieben Lautsprechern bestückten Omnibus. (Blaupunkt Prospektabbildung von 1955/56)6 Die dynamische Chronik, 9. Kapitel 9.19 Blaupunkt Ganzseitiges Inserat aus der „Funkschau“, Heft 3/1961 7Die dynamische Chronik, 9. Kapitel 9.19 Blaupunkt „Blaupunkt – die größte Autoradiofabrik Europas“ – steht 1962 in der Februar-Ausgabe der Fach-zeitschrift „radio-fernseh-händler“, und im „Funkschau“-Inserat, Heft 4/1962: „Blaupunkt mit heutemehr als 8000 Beschäftigten“. Auch in den Neunzigern liefen rund fünf Millionen Autoradios mitdem „Blauen Punkt“ über die Fertigungsbänder der Betriebe in Hildesheim, Malaysia und Portugal. Aufgrund einer 1985 getroffenen Vereinbarung hatte Blaupunkt die industrielle Führung der bisheri-gen Grundig-Autoradiofertigung in Portugal übernommen und belieferte von dort aus auch Grundig(später wurde diese Vereinbarung wieder aufgehoben).Ihre ersten Blaupunkt-Kofferradios hatten die Idealwerke schon 1930 gefertigt, danach gab es ledig-lich 1939 noch den 6 BW 69, welcher nur für Akku- und Wechselstrombetrieb vorgesehen war. Mitder Nixe begann dann 1950 die Nachkriegs-Kofferradioproduktion. Im Folgejahr erschienen die Mo-delle Lido und Riviera, dann jedoch gab es neun Jahre lang keine Blaupunkt-Kofferradios mehr. Erst 1961 brachten die Hildesheimer die neuen Modelle Nixe und Derby auf den Markt, und von nunan standen jedes Jahr weitere Koffer- und Taschenradios dieses Fabrikats in den Katalogen. Bongo,Capri, Derby, Diva, Dixie, Lido, Mainz, Nixe, Ranger, Riviera, Senator, Skipper, Supernova, undSwing hießen die zahlreichen Modelle – 1977/78 und 1978/79 wurden noch die Derby-Typen insechs bzw. fünf teils hochwertigen Ausführungen angeboten. Kaum zu zählen sind die Kofferradios, die Blaupunkt auf den Markt brachte. Allein 1967 waren es zehn Modelle. Das kleinste hieß Dixi (im Bild hinten). Zehn Transistoren und fünf Dioden sind in dem Gerätchen für Mittelwellen-und UKW-Empfang. Viele Jahre – bis Ende der Siebziger – hatte BlaupunktDer vorn im Bild stehende Nachfolger mit der Längs-Skaladie größeren „Derbys“ im Lieferprogramm. Hier abgebil-– ebenfalls ein Dixi – erschien 1968. det ist der Derby H von 1969, ein 7/11-Kreiser mit fünf Wellenbereichen. Koffer- oder Autoradio? Diese Frage beschäftigte manchen Interessenten, welcher sich nicht beidesleisten konnte. Schaub-Lorenz offerierte 1960 die Lösung: Das Kofferradio mit Einschub-Halterungim Auto. Auch Blaupunkt wollte sich dieses Geschäft nicht entgehen lassen. Nachdem die Hildeshei-mer 1961 wieder mit Kofferradios auf den Marktkamen, wurde auch gleich die Nixe H mit derEinbau-Haltevorrichtung fürs Auto angeboten. Zu den Kofferradios, welche durch eine Einschub-Halterung ergänzt werden konnten, zählte auch der hier abgebildete Blaupunkt- Derby 700 von 1963, ein Allwellen-Transistor- Koffersuper mit HF-Vorstufen für alle Bereiche. DieEinbau-Haltevorrichtung wurde rechts unter dem Armatu- renbrett montiert. Das gefährde- te bei einer Vollbremsung den Beifahrer (die Beifahrerin). Der- artige Einbauten erhielten dem- zufolge im Volksmund den Na- men „Kniezerstörer“. 8 Die dynamische Chronik, 9. Kapitel 9.19 BlaupunktEtwas Wehmut mag den Radiofreund schon beschleichen – beim Blick auf das Blaupunkt-Radioprogramm von 1955/56. Am 12. Mai 1965 wurde, wie die „Funkschau“ in ihrem Heft 12 notierte, in Hildesheim ein neues,Einerseits denkt er an die wunderschön gestalteten Gehäuse aus den End-Dreißigern, andererseits an die technischen fünfstöckiges Fabrikgebäude erstellt, und im FS-Heft 21/1965 schrieb Blaupunkt über den Bedarf anMeisterleistungen aus dieser Zeit. Hier aber findet er nur noch den 50er-Einheits-Stil, und der Inhalt dieser Radios (in den weiteren Produktionsflächen. Die fanden sich, wie die „Funkschau“ in ihrem Heft 13/1968 berichte-Großgeräten steckt nur eine EL 84) kann den Technik-Interessierten auch nicht mehr zu Beifallsbekundungen hinreißen.Nur eine Neuheit der Hildesheimer ist beachtenswert: Blaupunkt brachte 1954 die ersten 3-D-Radios auf den Markt. te, in einem Teil des stillgelegten Imperial-Werks Osterrode. Die Zahl der Beschäftigten stieg kontinuierlich. Im Juli 1968 waren es ca. 10 000, im November 11 9 Die dynamische Chronik, 9. Kapitel9.19 Blaupunkt 000, im Jahr 1971 schon 13 000 und im September1973 etwa 12 400. Nur Anfangs der Jahre 1967 und1971 mussten kurze Produktionspausen eingelegt wer-den (siehe: „Funkschau“ Heft 4/1967 und 12/1971), dawurde an einigen Tagen nicht gearbeitet.Der Aufstieg war anscheinend nicht zu bremsen. An-fang der Siebziger (siehe „Funkschau“, Heft 7/1970)übernahm Blaupunkt die Rundfunkfertigung von Ak-kord (die Jäger-Brüder hatten ihre Firma schon 1968 anBosch verkauft). Auch 1973, wo es anderen Firmenteils schon schlecht ging, konnte Blaupunkt seine Um-sätze erhöhen – dank der konstanten Erfolge auf demSektor Autoradio (siehe: „Funkschau“, Heft 7/1973).Blaupunkt konzentrierte sich in den Siebzigern, als dieMarktsättigung und Preisunterbietungen eine rentableProduktion von Heimempfängern aussichtslos erschei-nen ließ, auf dieses Gebiet, welches am besten zumBosch-Konzern und zur Autoelektrik passte: auf dieEntwicklung der noch lange nicht ausgeschöpftenfunktechnischen Einrichtungen im Kraftfahrzeug.Bevor jedoch das Thema Heimradio abgeschlossenwird, sei noch ein kurzer Rückblick gestattet. Wie ausder links abgebildeten Palette zu ersehen ist, kam Blau-punkt Mitte der Fünfziger zwar mit einem umfangrei-chen Verkaufsprogramm auf den Markt, ein Spitzenge-rät jedoch war nicht darunter. Auch in den Folgejahrenwar das nicht anders. Das teuerste Modell Riviera warnur mit einer Endröhre EL 84 ausgestattet. Nur 1958(vor dem Beginn der „Stereo-Zeit“) gab es mal den Ri-viera mit Gegentakt-Endstufe (2 x EL 95). Beliebter alsdie größeren Geräte waren die „Kleinen“ von Blaupunkt,welche freilich an die Philetta-Kleinsuperhets erinnern.Auch 1960 und danach blieb das Blaupunkt-Heimempfänger-Programm auf Geräte der Mittelklassebeschränkt. Zwar stieg Blaupunkt 1977 – wie die „Funkschau“ imHeft 21/1977 berichtete – auch ins „HiFi-Geschäft“ ein,erzielte aber mit Geräten dieser Art keine Gewinne.1979/80 lief die Produktion sämtlicher Audio-Heimgeräte aus. Links: Aus den „Funk- schau“- Heften 12/1965 13/19687/1970 18/1970 Man wollte Philips das Geschäft mit den erfolgreichen Kleinsuper- hets (Philettas) nicht alleine überlassen – auch andere Firmen offerierten ähnlich gestaltete Radios. Blaupunkt hatte 1956 das Modell Ballett im Programm. Es wurde im Pressstoffgehäuse mit Plastikeinsätzen in braun, weinrot, grün oder elfenbein angeboten. 10Die dynamische Chronik, 9. Kapitel 9.19 Blaupunkt Sammler von „Letzt-Fertigungen“ sind beiBlaupunkt verunsichert. Aber nicht nur beiBlaupunkt! Im Verlauf langwieriger Recher-chen gelangte der Autor zu der betrüblichenErkenntnis, dass aufgrund weggeworfenerDokumentationen und häufigen Personal-wechsels in den Firmenleitungen oft unzu- In den 60er Jahren waren Frontgestaltungen aus Styrol -Copolymerisaten in Mode. Da sie zerbrechlich sind, freut sich der Sammler über ein makellos erhaltenes Exemplar, wie dieses Modell Sultan 21 100 mit Polyes- ter-Hochglanzlackierung, welches Blaupunkt 1961 auf den Markt brachte.Nur des Designs wegen – die Technik hinter der Fassa- de ist Standard-Niveau.treffende Auskünfte über die letzten Fertigungen er-teilt werden. Man ist teils nicht mehr in der Lage, zwi-schen den Bereichen „Hörfunk“ und „Fernsehen“ zudifferenzieren. Blaupunkt nannte für den Sektor „Heimradios“ dasJahr 1972. Das mag für Empfänger einfacher Art zu- Die Notiz rechts stand in der „Funkschau“, Heft 7/1974 – es war die erste Verlautbarung dieser Art. Im Heft 21 wurde von weiterer Kurz- arbeit, sowie geplanten Entlassungen berichtet, und in den Heften 25/26 kündigte Blaupunkt die Stilllegung des Werkes Landau an.treffen; der Schlusspunkt war es nicht. Weiterhin konnte man Blaupunkt-Empfangsgeräte aus eigenerHerstellung kaufen, – bis 1974 auch solche aus dem früheren Akkord-Werk Landau. 1977 wurdenneue Hi-Fi-Anlagen auf der IFA vorgestellt, und 1978 kamen neu konstruierte Blaupunkt-Digita-Kombinationen auf den Markt (siehe auch: „Funkschau“, Heft 17/1978). Die Fertigung wurde zumVerlustgeschäft und auch gleich wieder eingestellt. Doch zum endgültigen Aus führte auch diese bit-tere Pille nicht, zumindest was die Entwicklung betraf (siehe Bild-Text).1981schließlichofferierte Blaupunktnoch das „Mikronic-60-System“, eineDie Blaupunkt-Überra-schung von 1980:Ein mit Infrarot-Fern-bedienung ausgestat-tetes HiFi-Komponen-tensystem. XT­240 heißt der Digi-tal - Synthesizer Tunerund XPA­240derPreamplifier. Diese beiden hier abgebildeten Komponenten konnten entweder durch den Endverstärker MA-240 oder durch zwei Aktivboxen Mini-vervollständigt werden. 1980 wurden die von Blaupunkt entwickelten Geräte im Südfunkwerk, Dr. Robert Ott, HiFi-Waiblingen bei Stuttgart, gefertigt. (Sammlung W. Roßnagel) Anla-ge (siehe Kapitel 8.20). Wo sie gebaut wurde, konnte noch nicht ermittelt werden.Wie man sieht – so eindeutig ist die Frage nach den „Letztfertigungen“ nicht immer zu beantworten. Nach dem Auslauf der Hörfunk-Heimradiofabrikation baute Blaupunkt noch 15 Jahre lang Fernseh- 11Die dynamische Chronik, 9. Kapitel 9.19 Blaupunkt geräte – zuletzt nur noch mit Verlust. 1996 wurde dieTV- Produktion eingestellt. Auch im Autoradio-Geschäftmusste 1993 nochmals ein Absatzeinbruch hingenom-men werden. Demnächst sollten NavigationssystemeBlaupunkt wieder in die Gewinnzone bringen.Die Verluste waren zwar – nach Auf-gabe der Unterhal-tungselektronik – verringert worden, aber die Hildeshei- Überschrift oben: Aus der Tageszeitung vom 29. August 1997 Bericht rechts: vom 5. Oktober 1998mer kamen nicht mehr aus den rotenZahlen. Auf das 75-jährigeBlaupunkt-Jubilä-um wurde 1998verzichtet.Die Hiobsbotschaf-ten wollten nichtabreißen. Im Jahr2001 gingeinGroßauftrag verlo-ren, und die billi-Links: Bericht-Teil aus der Tageszeitung vom 26. September 2001 genNavi-Ge-rätchen aus Fernost wurden zur bedrohlichenKonkurrenz.Trotz allem ist zu hoffen, dass uns wenigstens noch dieBlaupunkt-Autosysteme erhalten bleiben und Bosch diesezeitweise unrentable Fertigung nicht irgendwann abstößt.Zu dieser Hoffnung berechtigen Weiterentwicklungen mo-derner Fahrer-Informationssysteme – ein Gebiet, auf demBlaupunkt schon 1971/72 Bahnbrechendes leistete.* „Die Navigation ist heute“ – so schrieb die Robert BoschGmbH 1998 im Datenheft zur Bosch-Geschichte – „alsErgänzung zum Autoradio ein großer Hoffnungsträger fürdie 2.600 Blaupunkt-Mitarbeiter in Hildesheim. Wichtig schon deshalb, weil es keine Fernseher mitdem blauen Punkt mehr gibt – und die fernöstliche Konkurrenz stärker ist denn je.“ Schön wär’s, wenn irgend ein Navigationsrechner auch den sicheren Weg in die Zukunft weisenkönnte: „Zum Erfolg geradeaus, dann halblinks und wieder rechts“. Doch ist dieser Weg so unwäg-bar wie selten zuvor.Nur wenige Radiosammler können (* siehe auch: „Zur Entwicklungsgeschichte des Autoradios“ im Kapitel 13.3).sich für Blaupunkt- (oder andere)Autoradios begeistern, sie sind vielmehr an den frühen Nachkriegsprodukten interessiert. Heute gel-ten sie als Raritäten, nicht nur diese ersten, 1945 in drei Versionen erschienenen Blaupunkt-Detektorapparate. Ebenso gesucht sind die primitiven Röhrengeräte V 15, LV 15 bis 17 oder 2 GW146 E. Die Raumton-Musiktruhe 9 W 748 (1949) oder auch die nachfolgende T 2650 W (1950 koste-te sie 2.650 DM) wäre sicher ein Platzproblem, wenn man sie überhaupt noch bekommen könnte.